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  • Dr. Markus Brandstetter

Geruchsverlust und das Coronavirus



Bei einer verstopften Nase kennen viele von uns das Symptom, weniger zu riechen oder zu schmecken. Wenn die Nase dann wieder frei ist, hat sich das Problem in der Regel wieder erledigt. Eine Riechstörung ohne verstopfte Nase ist dagegen viel ungewöhnlicher - dennoch wird sie häufig erst sehr spät bemerkt. Bislang waren in einer HNO-Praxis reine Riechstörungen, also ohne verlegte Nase, ein eher seltener geschildertes Problem. Im Zusammenhang mit der Covid-19-Erkrankung wird nun auf einmal sehr häufig von dem Symptom Geruchsverlust berichtet. Was hat es damit aus Sicht des HNO-Arztes auf sich?


Riechstörungen können diverse Ursachen haben. Zu den häufigen gehören post-virale Schädigungen der Riechschleimhaut: Im Rahmen von viralen Entzündungen der Nase werden in diesem Fall Riech-Sinneszellen im Bereich des Nasendaches geschädigt, wodurch ein Geruchsverlust eintreten und über Monate anhalten kann. Zu den selteneren Erklärungen für eine Riechstörung gehören beginnende neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer.


Das Coronavirus (SARS-CoV-2) scheint in besonderem Maße den Geruchssinn zu beeinträchtigen.

Manche Beobachter schätzen, dass bis zu 85-90% der Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung eine höhergradige Beeinträchtigung von Geruchssinn und evtl. Geschmack erleiden (siehe z.B. Lechien JR et al. 2020). Wenn momentan ein Patient neben Geruchsverlust auch Fieber, Husten, Müdigkeit und Durchfall als Beschwerden berichtet, scheint eine Covid-19 sehr wahrscheinlich zu sein (ca. 85% Spezifität, s.a. Menni C et al. 2020, preprint).

Häufig tritt der Geruchsverlust bei Covid-19 sehr plötzlich auf und z.T. auch ohne Schnupfensymptome. Daher geht man davon aus, dass die Schädigung im Bereich der Riechschleimhaut liegen muss. Es wird vermutet, dass nicht die Sinneszellen selbst, sondern gewisse Unterstützerzellen in der Riechschleimhaut vom Coronavirus geschädigt werden (- der spezifische Rezeptor, über den das SARS-CoV-2-Virus in Zellen gelangt, ist auf diesen Unterstützerzellen vorhanden, nicht aber auf den Riechsinneszellen selbst - so Brann DH et al. 2020, preprint). Dies würde erklären, warum der Geruchssinn zwar eine Covid-19-Erkrankung oft überdauert, aber in der Regel innerhalb von Tagen bis wenige Wochen wieder zurückkommt - im Gegensatz zum Fall einer Schädigung der Sinenszellen direkt.


Was tun also bei Geruchsverlust? Wie in der Vergangenheit auch: Fragen Sie Ihre HNO-Ärztin oder Ihren HNO-Arzt. Gerne können Sie einen Termin in der HNO-Praxis Dr. Brandstetter oder in unserer Online-Video-Sprechstunde machen.

Ihr

Dr. med. Markus Brandstetter

HNO Rosenheim


#Riechen #Coronavirus #Geruchsverlust

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